Logbuch

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Tag 13: Geburtstag Michael und erster Wüsten-Tag!


Heute war ein besonderer Tag: Michael's Geburtstag! Und wie sich das für echte Rallye-Piloten gehört haben wir den besonderen Tag gebührend mit Sand-Fahren gefeiert! Nach rund 150km Konvoi auf Asphalt ging es endlich in den weichen Sahara-Sand, und Michael war selbstverständlich am Steuer!

Doch nach rund 15km steckten schon ein Viertel der Autos im Sand! Mit vereinten Kräften zogen/schoben/schleppten wir die Autos aus dem weichen Sand, und weiter ging die lustige Wüstenfahrt!

Plötzlich kam eine Anhöhe, und jeder musste sein Auto mit besonders bemühtem Vortrieb über die rumpelige Piste treiben. Als sich dann auch noch die Spuren verengten, und die Steigung stieg, und auch noch Steine den Weg versperrten, traf es leider den/die schwächsten: Team Austro-Schweiz übersah einen Stein, und schon war der Kühler kaputt.

Mechaniker Michael war selbstverständlich der Erste, der im Sand lag und die Situation klärte. Leider war die Diagnose nicht sehr positiv: Ein Riss im Kühler, der nur schwer repariert werden konnte. Ein größeres Fahrzeug schleppte den Ford der Austro-Schweizer in das nahegelegene Nachtlager, wo weiter fest repariert wurde. Am nächsten Tag sollte der Kühler dann wieder dicht sein.

Dicht waren auch bald die Nachtlager-Bewohner, da die Organisatoren dem Geburtstagskind ein 5-Liter-Fass Bier überreichten, welches selbstverständlich sofort begutachtet werden musste. In großer Runde wurde Michael's besonderer Tag hinter einer großen Dühne begossen, der Mauretanische Nachthimmel mit Gitarre (atemlos!) besungen, und Geschichten aus fernen Ländern ausgetauscht.

Tag 12: Einreise Mauretanien


Der heutige Tag hat nach 15km gleich sehr gut begonnen: Reifenplatzer :-)

Fahrer Michael ist sofort ausgehüpft, um das Problem fachmännisch zu beheben. Sogar die Organisatoren blieben kurz stehen und überzeugten sich von der professionellen Reifenwechslung der Dakarnators. 100 Kilometer später war Treffpunkt an einer Tankstelle, wo alle Teams sich zur Einreise nach Mauretanien versammelt haben. Interessanter Weise hat Brunhilde sehr viel Benzin auf dieser Strecke gebraucht, und auch die anderen Teams haben von hohem Verbrauch berichtet.

Als wir dann endlich an der Grenze waren ging das bürokratische Prozedere los: Die Ausreise aus Marokko hat rund 40 Minuten gedauert, war also relativ problemlos. Im Niemandsland zwischen Marokko und Mauretanien war die rund 5km lange "Straße" so schlecht, als wie wenn jemand sich bemühen würde, eine schlechte Straße zu bauen. Vor und nach der Grenze war die Straße sehr schön, aber dieser Abschnitt hat fast erste Opfer gefordert.

Die richtige Warterei ging dann aber erst bei der Einreise nach Mauretanien los: Jeder musste ein 55€-teures Visum erstellen lassen, sich dafür fotografieren lassen, und Fingerabdrücke abgeben. Bei rund 5 Minuten pro Person und einer Mannschaftsstärke von 80 Leuten kann man sich die Wartezeit ungefähr ausrechnen. Die ersten waren dann aber auch nicht gleich durch und weiter, sondern alle warteten brav 2km nach der Grenze auf die Ankunft aller anderen.

Als dann wirklich alle durch waren - die Autos wurden nichtmal kontrolliert - war es schon dunkel, und wir campten weitere 5km von der Grenze weg. Auf den ersten 15 Metern abseits der asphaltierten Straße blieben gleich die ersten 3 Autos stecken! Ein Vorgeschmack auf den nächsten Tag ;-) Das Steckenbleiben führten dann auch zu einem allgemeinen großen Chaos, da die Autos im Dunkeln feststeckten, und dann entschieden wurde, gleich an dieser Stelle zu campen, wo eigentlich kein Camping-taugliches Areal war. Jeder blieb also irgendwo stehen und baute sein Zelt auf, und ging auch gleich (aufgrund der Grenz-Warte-Müdigkeit) schlafen.

Tag 11: Ruhetag in Dahkla


Heute war Ruhetag angesagt: Vorräte auffüllen, Autos reparieren, entspannen und auf die kommenden Tage in der Wüste vorbereiten. Nach einem Briefing durch die Organisatoren um 10 Uhr, wo nochmals alles organisatorische für den kommenden Grenzübergang nach Mauretanien und die 5-6 Tage in der Wüste geklärt wurde, machten sich manche Teams auf in die berüchtigte "Werkstattstraße", wo einige Automechaniker ihr Glück an den alten Wagen versuchten.

Andere, so wie wir, machten sich zum Wasser- und Benzinkauf: 80l Wasser und 100l Benzin für die kommenden Tage wurden gekauft, da man in der Sahara pro Person rund 6l Wasser pro Tag trinken sollte. Nach erfolgreichem Einkauf genossen wir abermals eine Tashin zu Mittag, und verschlürften genüsslich einen Frucht-Cocktail, der offenbar aus 20% frischer Frucht und 80% reinem Zucker bestand. Als Nachmittagsbeschäftigung - Brunhilde war ja top fit und es gab (offiziell) nicht's zu reparieren - fanden wir in der Nähe des Camping-Platzes einen Quad-Verleih, wo wir sofort eincheckten und gemeinsam mit den "Ostseeheringen" eine einstündige Quad-Tour (27€!) buchten. Der Guide war sehr entspannt, und munterte uns zu übertriebenen Geschwindigkeiten und riskanten Manövern an, und wir waren begeistert :-) Wir tobten uns auf den Stränden von Dahkla mit unseren Gefährten aus, sprangen über Stock und Stein, und nahmen uns ein paar Souvenirs - Schrammen und Abschürfungen der etwas zu riskanten Manöver - mit nach Hause! Begeistert von diesem Adrenalin-Schub ging es direkt zurück zum Camping-Platz und rein in's etwas kühle Meer, um den Staub der Quad-Tour abzuwaschen.

Am Abend hatten dann die "Kirchhainer Wüstenfüchse" noch ein Zündproblem mit ihrem Golf IV, und Michael fuhr als "Dolmetscher" bzw. seelischer Beistand mit Ralf in die Mechanikerstraße in Dahkla, um das Problem zu beheben. 4 Stunden, 4 Zündkerzen und umgerechnet 4 Euro später waren sie wieder zurück am Camping-Platz, doch hatten sie die leckere Backerbsensuppe schon verpasst ;-)

Tag 10: Die Endlosen Geraden von Marokko


Heute morgen genossen wir im "Restaurant" am "Camping-Platz" (beides so klein wie der Parkplatz im Dakarnators Headquater bei Fritz) ein leckeres Frühstück genossen, und wurden auf das naheliegende Naturhighlight hingewiesen: Einem "Wasserfall". Nur rund 20 Meter neben unserem Auto war ein rund 4 Meter hoher Wasserfall zu bestaunen, auch wenn er fast kein Wasser führte. Auch war dort ein Geo-Cache versteckt, aber den haben wir leider nicht gefunden :-(

Danach die Strecke wie am Tag davor: Ewig gerade aus, kaum Kurven, und der höchste Berg war 10 Meter hoch. Fast schon ein bisschen langweilig ;-) An einer Tankstelle dann, ungefähr zur Mittagszeit, eine böse Überraschung: Beim Wegfahren rutschte die Kupplung von Brunhilde gehörig, und wir kamen kaum vom Fleck! Auch das allseitshilfreiche Aus-Ein-Geht funktionierte nicht, doch wir fuhren trotzdem einfach munter weiter, auch wenn das Beschleunigen dadurch etwas länger dauerte. Nach rund hundert Kilometer blieben wir erneut stehen, doch da funktionierte die Kupplung wieder einwandfrei. Die Vermutung ist, dass das lange schnell fahren Öl in die Kupplung brachte, und sie dadurch rutschte.

Unsere Langeweile wurde durch ein paar Geo-Caches, die es entlang der Route gab, etwas vertrieben. Bei "Captian's Grab" suchten wir jedoch den Cache wieder vergebens, doch die Gegend - ein riesen Strand mit Schiffswracks - machte das vergebliche Suchen wieder wett. Michael wollte sogar etwas nöher zu den Wracks fahren, doch plötzlich ging nicht's mehr: Wir waren im Sand steckengeblieben! Ein paar kräftige Schübe und schon waren wir gottseidank wieder frei.

Am Abend kamen wir in Dahkla, einer großen Stadt im Süden und unser letzter Aufenthalt vor der Mauretanischen Grenze, in einem Camp an, wo auch viele andere Teams ihre Zelte aufschlugen. Spätabends nahmen wir noch gemeinsam mit Robert und Ronald vom Team "Schwarzwald Buewä" und Hubert mit seinem Toyota Yaris in die Stadt, und genossen eine herrliche Pizza bzw. Tashin zum Abendessen.

Tag 9: Camping im Nichts


Zum Frühstück hatten wir heute frisches Gebäck, welches wir am Vorabend beim Camping-Platz-Werter bestellt hatten. Nach frischem Brot mit Rudi's Honig und Nutella ging es weiter Richtung Süden.

Was wir nicht ganz erwartet hatten war der Gegensatz zum Tag davor: Endlose Ebenen, endlose Geradeaus-Straßen, und Geschwindigkeiten an der oberen Leistungsgrenze unseres Rallye-Flitzers. Laut GPS haben wir heute auch die bisherige Höchstgeschwindigkeit - 131,3 km/h - erreicht! Brave Brunhilde :-) Auch erreichten wir auf dieser Strecke endlich wieder das Meer, an dem die Straße für einige hundert Kilometer entlang führte. Es gab noch ein paar "Erste Male": Wir sahen die ersten Dünen, die erste Polizeikontrolel (unten mehr dazu), die ersten Kamele, und das erste echte Wüstencamp (auch unten mehr).

Auf dem Weg, der schier ewig gerade aus ging, fanden wir noch erfolgreich einige Geo-Caches, und kamen dann gegen 17 Uhr zur im Roadbook beschriebenen Abzweigung zum Camping-Platz. An diesem Tag kamen wir auch das erste Mal zu Polizei-Kontroll-Stationen, wo wir die mitgebrachten Team-Auskünfte abgeben mussten, da wir nun näher zur umstrittenen "Grenze" zu Westsahara kamen. Da wir dadurch sehr gut vorbereitet waren und so quasi alle Informationen wie Name, Passnummer, etc. schon auf einem Zettel hatten, ging das Bürokratische sehr flott.

Dieser war rund 8 Kilometer weg von der Straße auf einem Feldweg anzusteuern, und als wir schon geglaubt hatten falsch abgebogen zu sein saßen wir plötzlich einige Autos anderer Teams, die ebenso in diesem Camp eines Belgiers ihre Zelte aufgeschlagen hatten.

Am Ende des Tages waren fast alle Teams der Rallye in diesem extrem abgelegenen Camp angelagt, und verbrachten die Nacht in Zelten in der Wüste. Es gab auch wenige fix aufgestellte Zelte des Camping-Platz-Betreibers, doch die waren schnell ausgebucht.

Angeschlossen an den kleinen Camping-Platz gab es auch ein "Restaurant", wo uns Kamel-Tachin serviert wurde - und die ware echt super spitzen lecker! Mit vollem Bauch fielen wir heute etwas früher in's "Bett", und ließen uns vom ansrauschenden Sturm nicht aus dem Schlaf reißen :-)

Tag 8: Hoher Atlas, blaue Steine


Heute stand uns eine ganz besondere Etappe bevor: Die Überquerung des Hohen Atlas mit seinen endlosen Kurven und Serventinen :-)

Nach ein paar Hundert Kilometer Anfahrt ab Marrakech war es dann endlich soweit: Das große Gebirge lag kurz vor uns, und Brunhilde war bereit für die große Herausforderung! Michael startete am Steuer, und für die nächsten 80 Kilometer ging es bergauf, links, rechts, bergauf, rechts, rechts, bergauf, und das alles im absoluten Rallye-Modus, da wir ja die Drehzahl für die Befriedingugn unserer immer aktiven Ölpumpenkontrollüberwachungslampe benötigen. Die Kurven machten echt Spaß, und unser Auto meisterte die Steigungen perfekt!

In mitten der Berge suchten wir noch einen Geo-Cache (eine alte Moschee), und flitzen weiter bis zum Tizi-N-Test Pass auf 2100m Höhe, wo wir in einem kleinen Restaurant das Team "Austro-Schweiz" trafen und gemeinsam eine kalte Coca-Cola genossen.

So wie es hoch ging ging es dann auch wieder nach unten, was ein noch schönerer Anblick war. Wir machten kaum Pausen, und nach einer Zwischen-Ebene mit gefühlten 50km geradeaus ging es über den nächsten (etwas kleineren) Pass in endlosen Hügellandschaften auf perfekten Rallye-Straßen in der öden Mars-Landschaft.

Als wir dann schon rund 8 Stunden im Automobil-Strecken-Himmel waren kamen wir im Sonnenuntergang an den nächsten Geo-Cache, kurz vor dem Ziel für den Tag: Die berühmten "Blauen Steine", die ein französischer Künstler blau bemalt hatte. Die Fotos sprechen für sich :-)

Zurück im Dorf in der Nähe der blauen Steine machte uns ein junger Marokkaner in perfektem Deutsch darauf aufmerksam, dass in einem Camping-Platz in der Nähe zwei Österreicher seien - und siehe da, das Team "Austro-Schweiz" saß schon beim zweiten Bier und begrüßte uns herzlich.

Auch auf dem Camping-Platz trafen wir einen deutschen LKW-Fahrer, der eine Firma hat, die große 14-Tonnen-LKWs zu Wohnmobilen umbauen. Herr Füss erzählte uns in großer Runde einiges aus dem Nähkästchen eines LKW-Umbau-Profis und zu späterer Stunde (und nach etwas Alkohol) packten dann einer nach dem anderen seine Reisegeschickten aus.

Tag 7: Wasserfälle, Marrakech


Nachdem wir um 7:15 Uhr die Ersten waren, die ihre Rallye-Auto gestartet haben, gab es den ersten Foto-Cache zu absolvieren: Die höchsten Wasserfälle Marokko mussten per Bild eingefangen werden, um unsere Anwesenheit dort zu beweisen. Am Vorabend dachten wir noch, dass der Geo-Punkt einige Kilometer weg sei, doch heute morgen war er dann auf einmal nur ein paar hundert Meter weit weg. Wir packten unsere Drohne aus, und begaben uns zu den berüchtigten Wasserfällen, die dann auch gleich nach ein paar Metern Fußmarsch auftauchten.

Zurück beim Auto trafen wir Ronald und Robert vom Team "Schwarzwald Buewä", die die Nacht in einer Herberge direkt bei den Wasserfällen verbracht haben, und prompt wurden wir zum Frühstück eingeladen. Auf der Dachterasse gab es ein herrliches typisches Marokkanisches Frühstück mit Tee, Brot, Honig und Orangen-Marmelade, mit wohl dem besten Ausblick der ganzen Region :-)

Nach dem "gefunden" Foto-Cache und dem herrlichen Frühstück ging es Richtung Marakkech. Gegen Mittag waren wir bereits mitten in der Stadt, und saßen bei einem Tee vor der großen Moschee, wo der Muezzin pünktlich um Mittag zum Gebet rief. Gemeinsam mit den "Ostseeheringen" machten wir uns auf die Suche nach dem dort versteckten Cache, der nur durch das Lösen einer Reihe von Rätseln gefunden werden konnte. Über eineinhalb Stunden (!) suchten wir ein spezielles Tor der Moschee Ben Youseef, die mitten in den engen Gassen des großen Marktes versteckt lag. Als wir die Hoffnung schon fast aufgegeben hatten standen wir dann doch plötzlich dort, wo uns die Koordinaten hinschickten. Zurück beim Auto, welches wir direkt bei der Moschee geparkt hatten, starteten wir bei gefühlten 35 Grad Richtung Camping-Platz, der ein paar Kilometer ausserhalb der Stadt lag. Wir trafen dort viele andere Teams, waschten unsere Wäsche, genossen eine kalte Dusche und fuhren pünktlich um 17 Uhr mit einem großen Taxi-Bus gemeinsam mit 12 anderen Teilnehmern vom Campingplatz Richtung Zentrum von Marrakech. Dort angekommen sollten wir uns um 19 Uhr beim Stand 22 am großen Markt mit den Organisatoren und anderen Teams treffen, doch wir konnten besagten Stand 22 nicht finden! Auf der Suche zwischen den sehr lästigen Stand-Schreiern, die mit allen möglichen Tricks versuchten, uns zu ihrem Stand zu locken, trafen wir noch viele andere Teams, doch keiner hat besagten Stand 22 gefunden! Klugerweise waren die Marktstände auch nicht nach Nummer geordnet, sondern komplett durcheinander in Mitten der riesen Menschenmenge, die den abendlichen Musiker, Künstler und Straßengauklern z usahen. Als uns dann der Geduldsfaden aufgrund von Hunger riss machten wir es uns beim Stand 89 bequem, und bestellten quasi alles, was die Herren zu bieten hatten. Wüstel, Fleischspieße, Couscous, Pommes, Fisch, Kalamari, Klöße und gebratenes Gemüse wurde aufgetischt, und wir aßen wie die Götter in Rom.

Nach geschlagenem Festmahl kam dann die Rechnung: 1200 Dirham für 4 Personen, dh. 120 Euro! Nachdem das erste Staunen über den hohen Preis vorbei waren zitierten wir den Kellner nochmals her, um uns die Rechnung erklären zu lassen. Bei der zweiten Rechnung kamen dann plötzlich nur mehr 900 Dirham raus! Und als wir ihm schlussendlich nur 800 gegeben haben, hat er sich trotzdem gefreut wie wenn es Weihnachten wär! :-D

Der Markt war uns schnell zu hektisch, und so ließen wir den Abend bei einem Spaziergang durch den Park neben der großen Moschee ausklingen.

Tag 6: Briech, Rallye-Berge, Camping


Der erste Morgen in Afrika begrüßte uns mit einem Frühstück mit Blick auf das Meer :-) Wir tauschten eifrig Routenpläne mit anderen Teams aus, ehe wir dann unseren Weg - etwas abseits der "offiziellen" Route - starteten.

Doch zuerst war noch Geo-Caching angesagt: Ein Cache war in der Nähe des Campingplatzes versteckt, und so machten wir uns rund 4km vom Startpunkt weg auf die Suche nach einem alten römischen Amphietheater nicht weit von der Straße. Nach einem kleinen Spaziergang fanden wir es auch, und machten ein paar herrliche Fotos! Beim Rückweg kam dann schon ein Marokkaner, und erklärte uns, dass hier "no trespassing" sei, und wir den Zaun um das Gelände doch nicht hätten ignorieren sollen ;-) Aber nach zweimal Schulterzucken und lächeln waren er und Michael schon Freunde, und er wünschte uns noch eine gute Reise.

Die Route führte uns über ein sehr weitläufiges Hochpleatau, wo es gefühlte 20 Kilometer geradeaus ging. Wenig Verkehr und noch weniger Kurven machten uns möglich, die Geschwindigkeitsgrenzen von Brunhilde auszutesten. Das Ergebnis kann man am GPS-Tracker sehen.

Die nächsten Kilometer lernten wir dann auch, dass der Spruch "Afrika ist anders" wohl vom Verkehr kommt - hier wird gefahren, als ob die Straße eine Spur mehr hätte und Autos unsterblich seien. Wir hatten dabei aber unseren Spass, und finden das eher lustig als beängstigend :-)

Ein weiteres Merkmal von Marokko sind die nicht aufhören wollenden Kreisverkehre: Gefühlte 50 dieser Verkehrs-technischen Weltwunder haben wir an diesem Tag durchquert. Man merkt eben, dass Marokko ein bisschen was mit Frankreich zutun hat/hatte.

Um 16 Uhr zeigte unser Navigationssystem noch rund 1 Stunde zum Zielpunkt an. Michael kontrollierte nochmal die Koordinaten, und bemerkte, dass Dominik den falschen See auf der Landkarte angesteuert hat - das eigentliche Ziel (ein Campingplatz) war 4 Stunden weiter weg! Und so mussten wir eine spätabentliche Rallye-Sonderprüfung einlegen! Und was für eine!!

Als wir nämlich schon rund 45 Kilometer vor dem Ziel waren, zeigte das GPS noch immer über 1,5h Fahrzeit an, was irgendwie komisch war. Ein näheres Betrachten der Landkarte zeigte eine Bergstrasse, und geanu diese sollte uns soviel Zeit kosten. Leider war zu diesem Zeitpunkt, obwohl wir viel auf flachem Terrain gefahren sind, auch die Ölstandüberprüfungskontrolleuchte voll in Action, und so machten uns die 45 km Serventinen auf der Landkarte etwas Sorten.

Der Vorteil an spätabentlichen Nachtfahrten waren unsere Scheinwerfer: Wir sahen die Strecke vor uns fast Tag-hell, und wir konnten auch den Gegenverkehr schon aus Kilometern Entfernung sehen. Und so mussten wir - um genügend Luft für den Kühler zu bekommen und auch die Drehzahl für die Ölpumpe hochzuhalten - den vollen Rallye-Attacken-Modus aktivieren :-)

Die letzten 30 Kilometer saßen also Michael mit zwei Handys und darauf zwei Landkarten als Beifahrer, und Dominik als Renn-Fahrer, auf einer echten Sonderprüfung, Rallye-Kommandos wie "in 100 Meter Serventine links - inklusive!

Gegen 21 Uhr haben wir dann auch das Dorf erreicht, wo der Camping-Platz sein sollte. Doch auf der "Hauptstraße" waren rund 200 Leute, die irgendwie lautstark geweint haben. Nach 10 Minuten löste sich die Menschentraube auf, und auf einmal sahen wir, wo das Problem lag: Die Menschen versammelten sich um einen Leichenwagen, und daher die troße Trauer.

500 Meter weiter fanden wir dann den beschriebenen Camping-Platz, wo wir eigentlich dachten, dass wir sicher die einzigen sein werden. Doch siehe da: Drei andere Teams waren schon dort, und hatten die 45km Rallye-Strecke bereits mit gehörig Rum und Wein gefeiert :-) Als dann um 00:30 Uhr ein weiteres (und für diesen Tag letztes) Team am Camping-Platz eingetroffen ist, war die Stimmung endgültig am Höhepunkt, und so wurden die "Ostseeheringe" mit lautem Applaus begrüßt.

Tag 5: Fähre nach Marokko


Zum ersten Mal auf der Rallye in einem Zelt aufzuwachen war besser, als befürchtet: Wie auf den Fotos von gestern zu sehen war der Sonnenaufgang herrlich! Wir packten unser Zelt ein, rollten die Schlafsäcke auf, und putzen uns mit Mineralwasser die Zähne. Auch die anderen Teams waren schon in freudiger Erwartung der Fährenüberfahrt nach Marokko.

Treffpunkt war 12:00 Uhr auf einem Parkplatz im Hafen von Algeciras, wo die Bürokratie erledigt wurde und es ein Briefing aller Teilnehmer durch die Organisatoren gab, damit wir auch alle gut auf den Afrikanischen Kontinent kommen.

Die "Sachsenoldies" haben uns am Parkplatz darauf hingewiesen, dass wir die Landkarte auf unserer Heckscheibe etwas modifzieren müssen: Das Wort "Westsahara" sollten wir besser mit etwas Klebeband abdecken, denn das mag man in Marokko zwecks Grenz- und Gebietsstreitigkeiten nicht so sehr. Wir haben die Karte einfach von Google Maps kopiert, daher haben wir uns da eher weniger Gedanken drüber gemacht. Also etwas abkleben :-)

Pünktlich um 16:00 Uhr befuhren/betraten wir die das riesen Fährenschiff, wo wir Brunhilde neben den anderen Rallye-Autos am Fahrzeugdeck des Schiffes abstellten. Ein paar Minuten später befanden wir uns schon in der Schlange vor dem Marokkansichen Grenzpolizisten, der auf der Fähre Einreisestempel verteile. Jeder bekam eine Nummer in den Pass gestempelt, die zur Ein- und später Ausreise nötig ist. Pflichtprogramm waren dann noch ein Gruppenfoto aller Rallye-Teilnehmer, und Selfies vor dem "großen Berg" von Gibraltar. Schon ein paar Minuten nach Abfahrt in Spanien sahen wir das Marokkansiche Festland, die Distanz ist echt kurz!

Angekommen im Hafen von Tanger hüpften wir alle in unsere Rallye-Flitzer und machten uns frohgelockt, aber auch ein wenig angespannt, auf den kurzen Weg zum Marokkansichen Zoll. Angespannt deshalb, weil wir eine Drohne dabei haben, die streng genommen in Marokko verboten ist. Die Oraganisatoren der Rallye haben uns den Tipp gegeben, sie gut zu verstecken, dann sollte das kein Problem sein. Wir haben unsere DJI Spark in ihre Einzelteile zerlegt, und in Wurfzelt, Schalfsack und Rucksack versteckt.

Zu diesem Zeitpunkt war unsere Drohne noch unsere größte Sorge, doch das sollte sich schnell ändern.

Nach den 300 Metern zur Zollstation wurden wir an eben dieser von den Grenzpolizisten angehalten. Alle Teams (rund 25 Autos) waren im Konvoi unterwegs, standen also alle in zwei Reihen hintereinander. Zufällig waren wir (und die "Sachsenoldies") ganz vorne, und das war ein Problem. Problem aus folgendem Grund: Die Grenzpolizisten waren natürlich nicht ganz dumm, und haben sofort gefragt, was denn unter dem Klebeband auf der Landkarte auf unserer Heckscheibe sei. Auch die Sachsenoldies hatten selber eine Landkarte auf ihrem T4, wo ein Aufkleber genau über Westsahara geklebt war. Aus uns unergründlichen Gründen machte das offenbar die Grenzpolizisten so wild, dass sie uns alle zum "Scanner" schickten.

Der Scanner ist ein großes "Röntengerät", wo ganze Autos und Lastwagen durchleutet werden können. Auch die Organisatoren waren etwas irritiert, kannten aber den Weg durch den Hafen (hier noch im Niemandsland) zu besagtem Scanner.

Und so machte sich die ganze Kolonne auf den Weg zu der angegebenen Scan-Station. Für uns Dakarnators, an diesem Punkt im hinteren Drittel des Konvois, sahen die nächsten 2 Stunden aus wie warten, doch später erfuhren wir, dass wir nicht nur gewartet haben. Anscheinend sind wir alle auch beim Scanner angekommen, nur der Scan-Bedien-Mensch wollte uns nicht scannen. Er schickte uns zurück zum Zollpolizisten. Der hatte grade Schichtwechsel, und war absolut überzeugt davon, dass wir scannen müssen. Also alle wieder zurück zur Scan-Station, wo abermals ein Scan-Operator die Nerven beim Anblick unserer tollen Rallye-Autos wegschmiss und uns ohne Scan zurück zum Zoll schickte. Er war laut Erzählungen der Teams weiter vorne in der Schlange soweit, selber zur Zollstation mitzufahren, und dort dem Zöllner die Lange zu erklären, verschwand dann aber unter mysteriösen Umständen in der schon angebrochenen Dunkelheit der afrikanischen Nacht. Der Zolltyp soll anscheinend wieder komplett ausgeflippt sein, und schickte uns nun zum dritten Mal zum Scanner, jetzt aber zu einem anderen. Dort angekommen fanden wir etwas motiviertere Scanner-Menschen vor, die uns dann auch wirklich scannen wollten. Hieß aber leider, dass wir wieder über eine Stunde auf unseren Scan warten mussten, ehe dann je 3 Autos durchleuchtet wurden. Kommentar gab es keinen, sondern nur einen Zettel mit einer Nummer, die anscheinend den Zöllner zu interessieren hat.

In der Wartezeit auf den Scanner haben wir nochmals mit den Organisatoren gesprochen, und entschlossen, den Aufkleber auf der Heckscheibe etwas kreativ zu modifizieren, um auch später in Marokko keine Probleme mit Polizei und Einheimsichen zu bekommen. Auch zwei andere Teams nahmen Aufkleber ab, um die Marokkaner nicht zu verärgern. Zumindest die halbe Distanz hat unser Heckscheibenaufkleber durchgehalten ;-)

Nach einer gefühlten Ewigkeit in der Schlange zum Scanner ging es wieder zurück zum Zöllner, der so überfordert mit unserer Einreise war, dass wir abermals über eine Stunde in einer Schlange nicht beim, sondern vor dem Zoll warten mussten. Als dann - es war jetzt schon nach 22 Uhr - auch noch einige Fährenschiffe mit einheimischen Autos ankamen, war das Chaos fast perfekt. Die Organisatoren haben offenbar stundenlang mit den Polizisten disktuieren müssen, bis wir endlich zum Zoll fahren durften, wo wir dann abermals 45 Minuten lang warteten.

Eines der Problemchen war, dass wir drei "Pritschenwagen" dabei hatten, die auf die Frage "habt ihr Hilfsgüter dabei" leider mit "Ja" geantwortet haben, und dadurch durch den Zöllner als LKW mit Gütern eingestuft wurden. Ob die drei es auch später durch den Zoll geschaft haben wissen wir (noch) nicht.

Angekommen in der Schlange am Zoll gab es die nächste Herausforderung zu meistern: Wir waren das letzte Auto am Zoll, alle vor uns waren etwas schneller durch. Als der Zöllner dann endlich mit unserem erlösenden weißen Zettel, den wir später auch für die Ausreise brauchen, angetanzt ist, kontrollierte er nochmal das Kennzeichen, und merkte schnell, dass sein Kollege am Fährenschiff dieses falsch abgeschrieben hat. Also zurück in sein Wartehäußchen, neue Papiere ausstellen. 20 Minuten später kam er abermals mit dem erlösenden Papier, und abermals hat sich ein Marokkaner vertippt, nämlich er! Wieder 15 Minuten später und nach dem dritten Versuch überreichte er dann Michael den nun endlich korrekten Zettel mit den Worten "So Michael (Mikel), you can go now :-)" in auch selber sichtlich erleichtertem Tonfall. Es war zu diesem Zeitpunkt 11:45 lokaler Zeit, sprich 00:45 Uhr in Österreich, und die Dakarnators schon etwas müde.

Das Pflichtprogramm war aber noch immer nicht vorbei: 300 Meter nach dem Zoll gab es ein paar Container mit Banken und Versicherungen, wo wir uns Geld (Diram) und eine KFZ-Versicherung holten. Nach je 2 Versuchen bei 4 verschiedenen Bankomaten klappte es dann beim 9ten Versuch endlich, und wir hatten 2000 frische Diram in der Hand. Dann noch schnell 2000 von Euro-Bargeld gewechselt, und wir waren flüssig :-) Die KFZ-Versicherung kostete dann nochmal €92, was Dominik etwas spanisch (marokkansich?) vorkam, denn zuvor getroffene Teams sagten irgendwas von €64! Gleich wieder zurück zum Versicherungstypen und den etwas böse angeschaut, stellt sich heraus, dass er allen anderen eine Versicherung für 10 Tage, uns aber für 1 Monat verkauft hat! Nach einem zweiten bösen Blick erklärte er sich aber bereit, unsere Versicherung umzutauschen und wir bekamen unser Geld zurück.

Rund 20 Kilometer nach dem Hafen fanden wir dann eine große Total-Tankstelle vor, wo wir Benzin und eine SIM-Karte für Marokkansiches Mobilfunknetz kauften, um auch hier noch Logbuch-Einträge machen zu können ;-) Auf dem Weg dahin trafen wir leider schon das erste Team, welches abgeschleppt wurde, und auf der Tankstelle warteten auch andere TEams noch auf die Pechvögel.

Eine Stunde später - 0:45 Marokkanischer Zeit, 1:45 Österreichischer Zeit - lagen wir dann erfolgreich im Zelt am Campingplatz, der auch im Roadbook erwähnt wurde, und schliefen in gefühlt 10 Sekunden tief und fest ein. Und die Drohne auch :-)

Tag 4: Valencia nach Algeciras


Nach einer sehr erholsamen Nacht in Valencia hat uns gleich um 8 Uhr früh der Frühverkehr in der Millionenstadt Valencia total überrascht - alle wollen irgendwohin, und anscheinend alle in die selbe Richtung wie wir ;-) Nach einer dreiviertel Stunde Kampf gegen die spanischen Drängeleien um Spur und Platz kamen wir endlich auf die Autobahn, um dann gemütliche 9 Stunden lang das Ziel - ein Campingplatz rund 15 Minuten vor dem Fährenhafen in Algeciras - zu erreichen. Bevor wir aber in den Morgenstress gestartet sind haben wir unsere Drohne nocheinmal über Valencia fliegen lassen, um den Sonnenaufgang für euch einzufangen :-)

Die Route war leider nicht sehr ereignisreich, ausser der absolut schönen Landschaft Andalusiens. Leider haben wir aus dem Auto keine guten Fotos machen können, da immer eine Leitplanke dazwischen war, aber wir haben uns dafür alles gut gemerkt ;-)

Nach ein paar hundert Kilometer hat uns dann unser alter Freund, die Motorölüberwachungslampe/-piepserl wieder an seine Anwesenheit erinnert: Anscheinend schafft nach ein paar Stunden Fahrt die Ölpumpe nicht mehr genug Druck, um den Sensor zufrieden zu stellen. Nach Rücksprache mit dem Dakarnators Headquater zuhause im Mühlviertel stand die Strategie schnell fest: Einfach einen Gang runterschalten, und die gesteigerte Drehzahl bringt die Pumpe wieder genügend zum laufen! Also fuhren wir den zweiten Abschnitt der Etappe gefühlt ständig mit Vollgas, und das Problem hat sich somit erledigt! Auch eine spätere Inspektion am Campingplatz vor Algaciras hat das Konfidenzniveau in die motorischen Fähigkeiten unseres Flitzers nicht getrübt.

Ein weiteres Problemchen könnte das Getriebe werden: Speziell im 1. und 2. Gang macht das Getriebe ein komisches Geräusch, doch auch da können wir vorerst nicht's machen und fahren einfach so weiter, als ob das alles geplant und Absicht wäre :-) Spätestens der Hohe Atlas in Marocco wird zeigen, ob die (verdrängten) Sorten gerechtfertigt waren (währen) oder ob Brunhilde die Höhen der Marokkansichen Berge gut meistert.

Am Weg zum Etappenziel haben wir dann erstmals auch andere Teams gesehen: Team XY, die zwei Tage vor Abfahrt bei ihrem speziell umgebauten Hochdach-VW-T4 einen Motorschaden hatten, machen Bremse und Kupplung des Ersatzwagens - ein Golf IV - leider jetzt schon Problemchen. Mit gemütlichen 80 km/h haben aber auch sie es dann zum Campingplatz geschafft.

Angekommen am Campingplatz, der auch im offiziellen Roadbook erwähnt wurde, trafen wir weitere Teams, und verbrachten einen ersten lauschigen Abend in Gesellschaft und die Nacht im Zelt. Morgen geht's dann endlich zur Fähre, davor noch zum Großeinkauf (Wasser, Bier und Lebensmittel), und dann zum offiziellen Treffpunkt auf einem Parkplatz im Hafen von Algaciras um 12:00 Uhr, wo sich alle Teams zur Überfahrt nach Marocco versammeln.